Stellen Sie sich vor: Ich bin eingestiegen und wurde umgehend befördert. Nicht nur auf den Schienen, sondern auch in der Funktion. Plötzlich war ich außer der Botschafterin für ukrainischen Tourismus auch Schaffnerin im russischen Zug.
Nein – Spaß beiseite. Einmal muss es ja doch sein, mit der legendären Transsibirischen Eisenbahn quer durch Sibirien der Zeit entgegenzureisen. Denn immer geht es der aufgehenden Sonne zu.
Also steigen Sie ein, fahren Sie mit, individuell oder in der Gruppe. Ich begleite Sie. Genauso persönlich und direkt wie durch die Ukraine.
Ausgedehnte Birkenwälder, ständig auf den Schienen, rollend wackeln, ständig sich und den Organismus ausbalancieren durch Sibirien bis zum Baikalsee, durch die Mongolei und nach China. Achttausend Kilometer lang durch Landschaften, Steppen, Wüsten …
Drei Währungen, drei Sprachen, acht Zeitzonen. Ständig zwei Uhren am Handgelenk. Auf den Bahnhöfen muss ich auf die Moskauer Zeit achten und darauf, wieder rechtzeitig im Zug zu sein. Natürlich ist das ein Abenteuer.
Und übrigens: Diese Lokomotive kommt aus der ostukrainischen Stadt Luhansk.
Ein Job bei der Transsibirischen Eisenbahn ist verhältnismäßig lukrativ. Für Olga war er schon immer ihr Traum. Dann kam die Tochter. Es wurde nichts damit. Dann kam der Sohn. Es wurde wieder nichts.
Als die Kinder erwachsen waren (17 Jahre) haben sie gesagt: „Mama fahre“. Da ist sie noch einmal aufs Technikum gegangen, hat gelernt und ihre Prüfungen abgelegt.
Heute trägt sie voll Stolz ihre Eisenbahnuniform. Dass ihre Zahnlücken unförmig mit silbrigem Material ausgefüllt sind, tut ihrem freundlichen Lächeln keinen Abbruch.
Eigentlich ist er bzw. sie (die Transsib) wie jeder andere Zug und doch wieder ganz anders. Es ist die lange Zeit, die man zusammen und zum Teil mit fremden Menschen auf der Schiene verbringt. Man muss sich zwangsläufig einschränken und mit wenig Platz und Komfort auskommen. Zumindest wenn man in dem Zug fährt, den auch die Einheimischen benutzen.
Die alten Holzhäuser in der Metropole Ostsibiriens sind schon bemerkenswert verziert. Da haben sich die Baumeister schon angestrengt. Die Stadt ist sehr sehenswert.
Der größte Süßwassersee der Welt ist wirklich ein Naturwunder. Zwei Mal pro Jahr reinigt er sich selbst, indem er das Unterste zu oberst kehrt und umkehrt. Und natürlich essen wir Omul, den berühmten Fisch aus dem See und Schaschlik, das bei einem Ausflug übers Wasser am Ufer gegrillt wird. Aber erst laufen wir noch über die Schienen der alten Baikalbahn. Die Strecke ist sicher, so lange jedenfalls bis der dampfende Nostalgiezug kommt.
Die Mongolei hat mir am besten gefallen. Wegen der Menschen, wegen der Urspünglichkeit, wegen der Nähe zur Natur …
Es war schon ein Stück Arbeit, die chinesische Schaffnerin zum Foto und zum Lächeln zu bewegen. Aber dann ging es doch …
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