Der Himmel über Odessa machte seinem Ruf wieder einmal alle Ehre.
Strahlend blau behütete er die Wiedereinweihung der Deutsch-Evangelisch-Lutherischen Kirche St. Paul auf dem alten "deutschen Hügel" in Odessa.
Nach bald sieben Jahren umfangreicher Renovierung wurde die Kirche nun wieder ihrer ursprünglichen Nutzung zugeführt.
Würdevoll und feierlich trug die deutsche Kirchengemeinde in Odessa Kreuz, Altartuch, Kelche u.a. in die Kirche.
Zahlreiche geistliche und weltliche Würdenträger aus Deutschland und aus der Ukraine waren zu den drei Tage dauernden Feierlichkeiten gekommen. Einige, die gerne dabei gewesen wären, konnten wegen der Folgen des Vulkanausbruchs in Island und der darauf erlassenen Flugverbote nicht kommen. So erging es auch dem vorgesehenen Festprediger Bischof Johannes Friedrich aus Bayern. An seiner Stelle hielt der Oberkirchenrat i.R. Claus-Jürgen Roepke die Festpredigt.
Es erfüllte den Geistlichen mit besonderer Befriedigung, diesen Akt vornehmen zu dürfen. Schließlich hat er in den vergangenen Jahren, den Aufbau dieser Kirche schwerpunktmäßig vorangetrieben. Diese Kirche in Odessa war ihm ein besonderes Anliegen und sein persönlicher Einsatz dafür war dementsprechend groß. So wundert es nicht, dass er bei der Weihe von Kirche, Taufbecken und Altar im Hintergrund unaufdringlich die Fäden der Regie in der Hand hielt. Er gab dem Posaunenchor Zeichen zum Einsatz, dirigierte die Kindergruppe an ihren Platz vor dem Altar, wo sie mit Gesang ihren Auftritt hatten und inspizierte auch gleich den Inhalt der nach der Weihung auf dem Altar abgelegten Kollektenbeutel.
Die feierliche Zeremonie, die der Posaunenchor aus Regensburg umrahmte, dauerte mehr als drei Stunden. Die Bischöfe, die in den vergangenen zehn Jahren in Odessa gewirkt hatten, kamen zu Wort: Edmund Ratz, Georg Güntsch und der jetzige Uland Spahlinger. Im Oktober 2009 hat er das Erbe seiner Vorgänger angetreten. Zahlreiche weitere Gratulanten brachten ihre Grußworte mit: allen voran der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Hans-Jürgen Heimsoeth und Gäste aus Odessas Partnerstadt Regensburg.
Innen ist die Kirche hell und freundlich. Die Wände sind weiß und schlicht. Akzente darauf hat der Maler Tobias Kammerer aus Rottweil gesetzt. Hinter dem Altar symbolisiert ein großer roter Fleck das Blut des gekreuzigten Jesus. Dazu Gold und Blau als Farben des dahinter unsichtbaren aber vorhandenen Reiches Gottes. An der Decke ist das Meer versinnbildlicht. Menschen gehen durch das Wasser in das sie rettende Kirchenschiff (der Arche Noahs). Alles ist geschmackvoll, schlicht, modern und mit Sinn angelegt. Die mit rötlichen und gelblichen Farben kunstvoll bemalten Fenster ließen bei den Feierlichkeiten die von Osten eindringenden Sonnenstrahlen besonders warm erscheinen.
Jetzt hat Odessa sein Kleinod wieder. Die Kirche war schon immer Wahrzeichen der Stadt. Auch als die Ruine wie eine Art Mahnmal in den Himmel ragte, wussten alle, das ist die Deutsche-Evangelisch-Lutherische Kirche und hier ist die deutsche Gemeinde zu Hause. Das etwas erhöhte Terrain dieses Stadtteils im multikulturellen Odessa ist die höchste Erhebung der Stadt und die Kirche von allen Seiten sichtbar, wenn man sich ihr nähert. Direkt baulich und architektonisch sehr harmonisch mit der Kirche verbunden als Anbau an der Stelle der vorherigen Apsis ist das neue Deutsche Zentrum. Auf drei Etagen gibt es Büros, Seminar- und Konferenzräume. Das Bayerische Haus Odessa, die Vereinigung der Deutschen Minderheit in Odessa und die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit werden dort einziehen. Noch freie Geschäftsräume können von deutschen Firmen angemietet werden. Das noch fertig zu stellende Deutsche Zentrum wird zu einem späteren Zeitpunkt engeweiht.
Schon die Einweihung und Wieder-Eröffnung der Kirche waren ein Riesenfest. Aber danach wurde es richtig zünftig. Im Hof standen Biertische. Es gab Würstchen, Sauerkraut, Kartoffelsalat und Bier. Der Kirchenhof war Kommunikationszentrum und Festplatz.
Zu den beiden Konzerten war die Kirche jedes Mal übervoll. Sowohl beim Orgelkonzert mit Veronika Struck Bachtrompetenensemble München, als auch beim Auftritt des Chores "Viva la musica" des Bayerischen Hauses, dem Schwarzmeerjugendorchester und Solisten aus Odessa, unter der Leitung von Natalja Köhn, ebenfalls mit dem Bachtrompetenensemble München, standen die Menschen in den Gängen und vor der Tür, um die Aufführung der Bachkantante "Ein feste Burg ist unser Gott", BWV 80 und Bachs "Magnificat" BWV 243 zu lauschen. Ein sichtbares Zeichen dafür, dass es in Odessa ein musikhungriges Publikum gibt, für das es sich lohnt, künftig in der Paulskirche neben den kirchlichen Veranstaltungen auch Kulturarbeit zu betreiben.
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